Bodenblog

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Montag, 14. Mai 2012

Nachhaltige Landwirtschaft - eine Herausforderung für die Welternährung

Die Weltbevölkerung wird voraussichtlich auf 9 Mrd. Menschen ansteigen. Dies bedeutet, dass in 40 Jahren 70% mehr Nahrungsmittel erforderlich sein werden (hauptsächlich in den Entwicklungsländern). Es müsste zur Verdopplung der Erzeugnisse kommen, die hätte jedoch Auswirkungen auf die begrenzt verfügbaren natürlichen Ressourcen, von der die Landwirtschaft abhängig sind (Wasser, Flächen für den Anbau, mineralischer Dünger,..). Zudem sind viele Böden nachhaltig geschädigt und die Wasservorräte sind meist übernutzt oder durch Pestizide und Dünger belastet worden. Darum strebt man auf eine produktive und nachhaltige Landwirtschaft, welche den Menschen Ernährungssicherheit bietet, zumal die Landwirtschaft auch das Klima und die Gesundheit der globalen Ökosysteme beeinflusst.
Die Nachhaltige Landwirtschaft

  •  sucht nach Methoden und Verfahren, die die Produktivität des Bodens verbessern und gleichzeitig schädliche Auswirkungen (welche z. B. durch Chemikalien ausgesetzt werden können) auf Klima, Boden, Luft, Artenvielfalt und die menschliche Gesundheit  minimieren.
  • zielt darauf ab die Ernährungsbedürfnisse qualitativ und quantitativ zu befriedigen - Heute und in Zukunft.
  • setzt so wenig wie möglich nicht-erneuerbare und auf Erdöl-basis hergestellte Betriebsmittel ein und ersetzt diese durch erneuerbare Betriebsmittel
  • wirksame Maßnahme gegen Erosion (Wasser- und Winderosion) und Bodenschadverdichung
  • Ziel: ein stabiles, wenig verschlämmungsanfälliges, tragfähiges Bodengefügel.
-> Bodenaggregate sind dadurch vor der Zerstörung durch Regentropfen weitgehend geschützt, wodurch die Bildung von Oberflächenverschlämmungen ( Verlagerung von Bodenteilchen an der Bodenoberfläche) und Bodenerosion (Abtragung der Gesteine an der Erdoberfläche) gemindert wird.


Die lokale Bevölkerung steht bei nachhaltiger Landwirtschaft im Mittelpunkt. 
Bauern soll eine langfristige Beschäftigung und ausreichend Einkommen gesichert werden, außerdem ist es wichtig gute Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen.


Anfälligkeit des Landwirtschaftsektors gegenüber Ungünstigen natürlichen (z.B. klimatischen) und sozio-ökonomischen (z.B. hohe Preisschwankungen) Bedingungen sowie andere Risiken.


Konservierende Bodenbearbeitung


Die konservierende Bodenbearbeitung verzichtet auf den Pflugeinsatz, stattdessen werden nichtwendende Bodenbearbeitungsgeräte (z. B. Grubber) eingesetzt, welche den Boden in seinem Aufbau belassen.
Durch die nichtwendende Bearbeitung reichern sich Pflanzenreste in der obersten Bodenschicht (Bodenbedeckung) an.
Es kommt zu einer Lagerungsdichte in der obersten Schicht der Erde und zu einer Steigerung der biologischen Aktivität des Bodens.
Es verbleiben Ernterückstände wie z. B. Stroh (Mulchmaterial) in der obersten Bodenschicht. Diese verbessern das Bodenklima und können außerdem als Nahrungsangebot erhöht werden.

Es kommt zu einer Humusakkumulation (organische Stoffe im und auf dem Boden, die von abgestorbenen Pflanzen und Tieren herrühren) in der obersten Schicht, zu einer erhöhten Aggregatstabilität (Fähigkeit des Bodens, Form- und Strukturveränderungen durch z.B. Wassereinfluss standzuhalten) und zu einem Aufbau eines tiefen, ungestörten Makroporensystem (mit Luft oder Wasser gefüllte Hohlraumvolumen des Bodens).

Überschüssiges Wasser kann zusätzlich schnell in tiefe Bodenbereiche abtransportiert werden (z. B. durch Regenwurmgänge).

Die Nährstoffauswaschung wird reduziert und dem Boden entweichen somit weniger klimaschädigende Gase. Der Boden kann mehr Kohlenstoff speichern.


Nachteile:

  • funktioniert nicht ohne Herbizide
  • ein verändertes Unkrautmanagement ist vonnöten, damit z.B. Weizen, Soja oder Mais wachsen kann
  • spezielle Maschinen und Wissen wird benötigt (-> fehlt Kleinbauern und verhindert somit die Einführung der konservierenden Bodenbearbeitung)


Diese Methode wird bereits in Nord-,Südamerika und Australien genutzt, jedoch in Kombination mit gentechnisch veränderten Pflanzen und Totalherbizide bei Monokultur.
Auf eine Fruchtfolge (zeitliche Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf ein und demselben Feld.) wird verzichtet, dadurch gehen die Vorteile der konservierenden Bodenbearbeitung verloren und es kann nicht mehr als nachhaltige Landwirtschaft bezeichnet werden.


Ökologische Landwirtschaft 



Die ökologische Landwirtschaft ist eine Form der nachhaltigen Landwirtschaft. Sie ist gut geeignet für traditionelle und extensiv arbeitende Betriebe, da sie in solchen Betrieben die Erträge erheblich steigern kann.

Jedoch hängt die Ertragsersteigerung vom Ausgangsniveau ab. 
Darum sind die Sichtweisen zur ökologischen Landwirtschaft sehr verschieden.

Bei einer Umstellung von intensiver Landwirtschaft, auf Gunststandorten, mit guten Böden und Niederschlägen, auf Ökolandwirtschaft kommt es zu einem deutlichen Ertragsrückgang.

Mit dieser Methode ist die Welt also nicht ernährbar - kombiniert man diese jedoch mit anderen nachhaltigen Produktionsverfahren, kann sie Erfolge erzielen.



Düngerverfahren

Wachsende Pflanzen entnehmen aus dem Boden Nährstoffe und speichern sie in ihren Blättern und Früchten. Bei den Nährstoffen handelt es sich vorallem um Mineralsalze, die die chemischen Grundstoffe Stickstoff, Phosphor, Calcium, Schwefel und Kalium beinhalten. Bei der Ernte, entzieht man dem Boden also ständig Mineralstoffe, so dass seine Fruchtbarkeit immer weiter abnimmt.
Um ein gutes Pflanzenwachstum und damit auch gute Pflanzenerträge erzielen zu können, muss man also düngen. Beim Düngen werden die fehlenden Pflanzennährstoffe im Boden ersetzt, wie z.B. durch mineralstoffreiche Tierausscheidungen (Jauche, Festmist), durch Mineralsalze aus natürlichen Lagerstätten (Kalk), oder durch künstlich hergestellte Düngemittel.

  • Mineraldünger (aus Mineralien gewonnenwird )
  • organische Dünger ( von Pflanzen oder Tieren stammen (z. B. Kompost)
  • organo-mineralische Dünger
  • künstlich hergestellte Düngermittel

Viele Entwicklungsländer haben damit zu kämpfen, dass Wasser knapper wird und fruchtbarer Ackerboden erodiert.  
Die Einnahmen der Kleinbauern reichen meist nicht aus, um Investitionen in teure mineralische Kunstdünger zu tätigen.

In vielen Entwicklungsländern gibt es nun jedoch Subventionsprogramme, welche Mineraldünger verbilligt anbieten, wodurch die Steigerung der Nahrungsmittelerzeugung und Ernährungssicherheit möglich gemacht wird.
Jedoch wird der Dünger oftmals falsch angewendet (Bsp.: Beschleunigung des Versauerungsprozzesses)

Die falsche Anwendung des Düngers kann Lachgasemissionen erbringen, welche Auswirkungen auf den Klimawandel und der Auswaschung von Nitrat haben. Viele tropische Böden sind außerdem von Natur aus sauer. Durch die Düngung wird der Versauerungsprozess beschleunigt, was zur Folge hat, dass die Produktivität der Böden langfristig abnimmt.




Nachhaltigkeit des Düngers


Der Grundnährstoffbedarf soll über organische Düngerangaben, wie Mist, Kompost und Gründungen, abgedeckt werden und nur der Differenzbetrag sollte über Mineraldünger ersetzt werden.

Zielgenaue Düngekonzepte sind wichtig, um eine möglichst vollständige Aufnahme der Nährstoffe durch Kulturpflanzen zu erreichen.

Stickstoffversorgung beansprucht die Symbiose von Bakterien (z.B. Knöllchenbakterien - in Symbiose mit Schmetterlingsblütlern lebende, Stickstoff bindende Bakterien), welche den Stickstoff im Boden zur Verfügung stellt.



Saatgutproblem und Erhaltung der Vielfalt in nachhaltigen Konzepten


Bauern in Entwicklungsländern haben meist eigenes Saat - und Pflanzgut.
Dies ist an die Standortbedingungen angepasst, geht auf die kulturellen Bedürfnissen ein und richtet sich nach den Ernährungsgewohnheiten der Familien. Jedoch werden dabei nicht hohe Erträge gemacht.

Bei Entwicklungszusammenarbeiten mit modernen, kommerziellen Großgrundbesitzern können den Bauern Wege für eine Verbesserung ihrer Anbaumethoden gezeigt werden, ohne ihre wirtschaftliche Situation zu verschlechtern, ohne neue Abhängigkeiten zu schaffen und ohne die natürlichen Ressourcen zu beeinträchtigen.  
Es kann zu verbesserten Landsorten kommen, die nicht durch Patente geschützt werden und allen zur weiteren Züchtung zur Verfügung gestellt werden.

Kommerzielles Hybridsaatgut sorgt für hohe Erträge und eine Steigerung der Produktivität, die vorteilhaften Eigenschaften gehen in Folgegenerationen verloren, jedoch lohnt sich, der Neukauf bei hohen Erträgen meist.


Die Hybridsaatgut Verbreitung bietet sowohl dem konventionellen Anbau sowie dem ökologischen Anbau Erfolg.


Nachhaltige Wassernutzung

In Zukunft wird sich der Wasserbedarf in vielen Bereichen steigern (Landwirtschaft, Stadt, Industrie).
Die Landwirtschaft verbraucht etwa 70% des erneuerbaren Wassers.
In mehr als 30 Ländern herrscht bereits starke Wasserknappheit.
Die Landwirtschaft muss Wasser in Zukunft also nachhaltiger verwenden!

Es könnten mehrere Anbaumethoden getestet werden, bei denen man zum Beispiel Regenwasser besser nutzen könnte, durch Rückhaltebecken, Dämme, Flussschwellen, Konturlinien oder konservierender Bodenbearbeitung.
Dadurch würde der Grundwasserspiegel gesteigert werden können.

Durch Tröpfchenbewässerung würde man außerdem sparsamer mit Wasser umgehen.
Bei dieser Tröpfchenbewässerung bekommen Pflanzen nur so viel Wasser, wie sie brauchen.
Jedoch kann diese Methode negative Folgen mit sich bringen:
Es könnte beispielsweise zur Absinkung des Grundwasserspiegels kommen, da nur noch ein Teil der vorherigen Wassermenge in den Boden kommt.
Eine Versalzung könnte ebenfalls auftreten, da das Wasser nicht ausreicht um Salze auszuwaschen.
Die gerechte Verteilung der Wasserressourcen und das Management von Wassereinzugsgebieten ist wichtig für eine nachhaltige Wassernutzung.

Verbesserte Lagerungen und Verarbeitung der erzeugten Agrarprodukte

1/3 der jährlichen Getreideernte geht in Entwicklungsländern verloren.
Bei verderblichen Produkten (Wurzel-Knollenfrücte, Obst, Gemüse) sind es sogar bis zu 40%.
Ein Teil davon geht bei der Ernte und beim Transport verschüttet, ein Teil wird von Käfern, Motten und Mäusen gefressen, und ein weiterer Teil verschimmelt oder verfault.

Solche Nachernteverluste verursachen gravierende Volkswirtschaftliche Schäden, da sie entstehen, nachdem viel Geld und Arbeitskraft in die Erzeugung der Produkte investiert wurde.
Oft macht sich dieser Qualitätsverlust der Produkte auf den Preis wirksam (da er abnimmt) oder macht das Produkt gar unverkäuflich.

Rein rechnerisch würden die Nachernteverluste das Hungerproblem auf der Welt lösen können!

Darum wurde der Nachernteschutz herbeigeführt, bei dem die Ernährungssicherheit nachhaltig und schnell verbessert werden soll ohne zusätzliche Ressourcen in Anspruch zu nehmen.

Die Techniken dazu sind bereits vorhanden.

Würde man die weltweit weggeworfenen Nahrungsmittel dazunehmen, wäre die Ernährung der Weltbevölkerung theoretisch gelöscht.

Beispiel für ein nachhaltiges Agrarkonzepte

In Ghana konzentrierte sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH auf ein Projekt, welches sich auf die Einführung des integrierten Pflanzenschutzes konzentrierte.
Nunächst wurden nützlingsschonende Pflanzenschutzmittel empfohlen und die Bekämfung von Schädlingen mit biologischen und traditionellen Mitteln gefördert. Die GIZ beriet die ghanaische Regierung außerdem integrierten Pflanzenschutz in die Förderziele der Landwirtschaft aufzunehmen und Auflagen für gefährliche Pflanzenschutzmittel zu machen. Die Bauern erhielten außerdem eine Fortbildung und Beratung in Methoden des integrierten Pflanzenschutzes. Damit wurde die Gefährdung von Bauern, Verbrauchern und Umwelt verringert: Es kamen weniger Unfälle mit Pestiziden vor und die Belastung von Nahrungsmitteln und Gewässern sank nachhaltig. Nützliche Insekten wurden zudem geschont. Die bäuerlichen Haushalte konnten somit ihre Einkommenssituation verbessern und steigerten die Produktion und Qualtität um bis zu 73% .

Fazit

Nachhaltige Landwirtschaft ist möglich.
Sie hilft Erträge zu steigern und die wachsende Weltbevölkerung auch noch in 100 Jahren zu ernähren, ohne unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.
Nun müssen sich nur noch Politiker, Unternehmen und Verbraucher zum Nachhaltigkeitsbewusstsein bekennen und das Notwendige Wissen an die Produzenten vermitteln!


Quellen:
Welternährung - Welche Verantwortung hat Europa? DLG e.V. Band 106
http://www.sonnenseite.com/Umwelt,Oekologische+Landwirtschaft+-+eine+Chance+fuer+Entwicklungslaender,16,a3434.html
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/8120.htm
http://www.bauernhof.net/lexikon/lex_cde/dungung.htm