Einleitung:
Bevor man beginnt über die Ethik zu sprechen, sollten bestimmte Definitionen klar sein, denn häufig werden die Begriffe wie Moral und Ethik verwechselt oder zusammengeworfen.
Die Ethik ist, einfach ausgedrückt, ein Denksystem, das definiert, was gut und was böse ist und wie man sich im täglichen Handeln zu entscheiden hat. Somit entsteht eine Anleitung zum richtigen Handeln und das gehört zum Teilgebiet der Philosophie. Diese beschäftigt sich mit den Grundlagen der menschlichen Werte, Normen und der allgemeinen Moral und die Probleme dessen betreffen die Motive, Methoden und die Folgen menschlichen Handelns.
Die Ethik in der Nutztierhaltung steht in Teilen der Öffentlichkeit. Schlagwörter wie „Massentierhaltung“ und „Tierfabriken“ unterstellen ein mangelndes Verantwortungsgefühl der Tierhalter gegenüber ihren Tieren. Hier treffen Vorstellungen und Bilder der Landwirtschaft aufeinander. Der gesellschaftliche Konflikt ist vorprogrammiert. Nutztiere sind ebenso empfindsame Lebewesen. Die Verantwortung des Tierhalters liegt darin, auf ihre Leidensfähigkeit Rücksicht zu nehmen. Dies ist ein Grund dafür, dass eine Belastung der Tiere gerechtfertigt werden muss. Je höher die Belastungen sind, desto mehr Gewicht muss ein rechtfertigender Grund haben.
Veränderung im Moralbegriff:
Die Menschheit entwickelt sich moralisch weiter, denn was gestern moralisch legitim war, wird heute problematisiert. Unser moralischer Horizont hat sich in der Vergangenheit Stufenweise verändert und somit wurden Nutztiere zu Wesen, die aus moralischen Gründen unsere Rücksicht verdienen. Diese Entwicklung sollte dazu führen, dass wir Tieren grundsätzlich Achtung entgegen bringen. Nicht nur unsere Moralvorstellungen haben sich verändert sondern auch die landwirtschaftlichen Produktionsweisen. In kurzer Zeit hat sich das Bild der Landwirtschaft in vielen Hinsichten gewandelt. Beispielsweise wird das Leben der Tiere nun in Produktionsabschnitten geteilt und das wird oft auf Kosten des Tierwohls gestaltet oder nur noch eine kleine Menge von Tierrassen werden in großen Beständen genutzt und der Rest, somit die „alten“ Rassen, sterben aus. Ebenso wird diskutiert, ob man mit genetischen Methoden die Tiere weiter unserem Zweck angepasst werden sollen. Die aktuellen und ständig erweiternden technischen und technologischen Möglichkeiten bieten das an und verändern somit die Landwirtschaft gravierend und werden dies weiterhin tun. Doch ist unser wachsendes Bewusstsein gegenüber unserer Verantwortung der leidensfähigen Tiere ein Thema das der Entwicklung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung gegenüber steht. Dennoch bleiben zwei Punkte gleich:
Ø Ob Intensivhaltung, extensive Nutztierhaltung, spezialisierter oder gemischter Betrieb, Landwirte tragen die Verantwortung für das Wohl der einzelnen Tiere, die sie besitzen. Sie gelten als moralisch handlungsfähige Menschen und haben somit die Verantwortung für das Wohl der von ihnen gehaltenen Tiere und tragen aufgrund dessen die moralische „Pflicht-Verantwortung“.
Ø „Sollen setzt ein Können aus“. Das heißt, dass die Verantwortung nur soweit reicht, wie der Gestaltungsspielraum und Handlungsspielraum bietet. Wenn ein Akteur das Ziel nicht erreichen kann, kann die Handlung von ihm nicht verlangt werden, auch wenn es zu noch so guten Zielen führen würde.
Diese zwei Punkte verdeutlichen, dass die Sachzwänge moralische Verantwortung über den Bereich möglicher Handlungen einschränken können, aber nur, wenn es sich um Bedingungen handelt, in der die Veränderung nicht in der Macht des Nutztierhalters liegt. Die Verantwortung gegenüber den gehaltenen Tieren besteht dennoch, auch wenn auf Grund der Möglichkeiten, die dem Nutztierhalter zur Verfügung stehen, die moralische Verantwortung durch bestimmte Umstände verändert werden können. Dennoch stehen die Nutztierhalter immer in der Pflicht, für das Wohl ihrer Tiere zu sorgen. Wenn dies erfüllt ist, kann man darüber reden, in wie weit diese Verpflichtung reichen soll.
Voraussetzung für eine tiergerechte Behandlung
Ø Rücksichtnahme auf die Interessen und Bedürfnisse von Tieren ist grundlegend und die Voraussetzung für eine tiergerechte Behandlung
Ø Wissen über die grundlegende Interessen und Bedürfnisse ist zentral
Verhaltensansprüche, physiologische und psychologische Bedürfnisse der Tiere sind grundlegend für eine angemessene Tierhaltung
Ø Physiologische Bedürfnisse
Ø Psychologische Bedürfnisse
Ø Verhaltensansprüche
Das Tier darf nicht im Nutzen für den Menschen aufgehen!
Wer trägt die Verantwortung:
„Ethik in der Nutztierhaltung“ gilt als Konflikt zwischen ethischen Ansprüchen und den Landwirten, die sich weigern Tierschutzforderungen zu erfüllen. Somit wird sich die Situation der Tiere in den Ställen nicht viel ändern. Das Ziel ist es die ethische Verantwortung und Mitverantwortung relevanter Akteure zu thematisieren und sie sinnvoll zu verteilen, denn es genügt nicht die Verantwortung nur bei den Nutztierhaltern oder bei anderen Sachzwängen zu suchen. Das wichtigste ist es, dass Tierschutz in der Landwirtschaft alle etwas angeht, da wir durch unser mitwirken etwas verändern können. So wie bei den Nutztierhaltern wird auch bei den Mitverantwortlichen die moralische Verantwortung nach Handlungsoptionen, die ihnen zur Verfügung stehen, bestimmt, die dann zu mehr Tiergerechtigkeit führen.
Mitverantwortung für Änderungen innerhalb der Rahmenbedingung:
Wissenschaftler/Forscher:
Sie informieren die Landwirte und stellen ihnen Wissen zur Verfügung und zeigen Möglichkeiten auf. Alternativen und Hilfestellungen werden geboten, die die Bedingungen, der landwirtschaftlichen Praxis, berücksichtigen. Denn Tierschutz in der Praxis wird wesentlich von der Entwicklung tierfreundlicher Haltungssysteme und Praktiken abhängig. Das ist ein Grund, dass man ökonomische Auswirkungen, Konflikte zwischen Hygiene/Tiergesundheit und Tiergerechtigkeit in die Forschung zu adressieren. Ebenso sind sie verantwortlich für die Beurteilung der Tiergerechtigkeit in Eingriffen und Haltungssystemen. Das ist die Grundlage, um gesetzliche Regelungen zu entwerfen.
Veterinärmediziner:
Die Verantwortung liegt darin, Landwirte vor Ort in Sachen Tierschutzrecht, Tiergerechtigkeit und Tiergesundheit aufzuklären. Die Berufung der Tierärzte liegt darin, für das Wohl der Tiere einzutreten. Hierbei können oftmals Konflikte entstehen.
Ø Strategische Konflikte -> Beratung vs. Kontrolle
Ø Wirtschaftliche Konflikte -> Medikamentenverteilung vs. Gesundheitsprogramme
Ø Ethische Konflikte -> ungleiche Behandlung von Nutz und Heimtieren
Diese sind zu bewältigen. Ebenso können sie Erfahrungen aus der Praxis für die Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen zu Verfügung stellen und haben direkten Kontakt zu den Landwirten.
Interessenvertreter:
Ihre Verantwortung liegt beim Tierschutz und dessen Unterstützung. Sie müssen auch Informationen über die Entwicklungen preisgeben. Denn Landwirte können nur durch Weiterbildungsprogramme und bestimmte Hilfe bei der Planung und Umsetzung tierfreundlicher Haushaltssysteme mit agieren. Die Interessenvertreter und die Verbände sind auch dafür zuständig für das Anliegen der Landwirtschaft zu kommunizieren und dies in Richtung Öffentlichkeit. Somit können sie auch auf die Politik druckausüben und auf finanzielle Unterstützung hinwirken, um tierfreundlichere Haltungssysteme einzurichten.
Agrar-Marketing:
Ein Marketing, das mit idealisierten und romantischen Bildern der Landwirtschaft arbeitet, läuft auf Gefahr der Radikalisierung der Tierschutzdebatte aus. Sie müssen Glaubwürdige Informationen über den Tierschutz transportieren, sodass die Bürger Aufmerksamkeit schenken und die Landwirtschaft in ihren Bemühungen um Tierschutz zu unterstützen.
Öffentlichkeit:
Die Rolle der Bürger besteht darin, dass sie als Verbraucher über ihre Kaufentscheidung bestimmte Produktzweige stützen. Dadurch werden die ökonomischen Möglichkeiten ausgeweitet. Das heißt, wenn die Bürger durch ihre Kaufentscheidung in ihrer Rolle als Verbraucher darauf hinarbeiten, dass mehr Geld in Tiergerechte Nutztierhaltung fließt, werden die Möglichkeiten größer, aber nur wenn die Gewinne an die Nutztierhalter weitergeleitet werden.
Gesetzgeber:
Die Gesetzgeber haben eine schwierige Verantwortung. Sie müssen darauf achten, dass nicht nur das Tierschutzgesetz, sondern auch andere Gesetztestexte die Tierpraxis beeinflusst. Sie muss wichtige Rechttexte für die Möglichkeiten zur Verwirklichung tierschützerischer Ziele aufsetzten.
Handel:
Die Verantwortung liegt darin, dass man höhere Verkaufserlöse weitergibt, denn es macht nur Sinn wenn etwas vom Verkaufserlös an den Landwirten gelangt, um dann tierfreundlicher zu produzieren.
Konflikt zwischen Ökonomie und Tierschutz:
Durch die Nutztierhaltung kommen weitere umweltverschmutzende Probleme auf. Sie verunreinigen das Grundwasser zum Beispiel in Form von Gülle, welche zum Düngung auf den Feldern ausgebreitet wird. Durch den Anbau von Tierfutter gerät eine Menge an Stickstoff in die Meere. Diese führen zu einer explosionsartigen Vermehrung von Meeresalgen. Diese schaden andere Meerespflanzen. Im schlimmsten Fall kommt es zu „toten Zonen“, in denen alle Meerespflanzen und Tiere aussterben. Ebenso belastet die Massentierhaltung die Luft. Futtermittel und Tierfäkalien produzieren Mengen an Staub, der wiederum an Bakterien und diese enthalten Pilze und Schimmel. Nach vielen Forschungen wurde auch festgestellt, dass Nutztiere über ihre Ausscheidung toxische Gase wie Schwefelwasserstoff und Ammoniak an die Luft abgeben. Auch Fleisch, Eier und Michproduktionen sind Umweltschädlich, denn sie gelten als größten Verursacher von Kohlendioxid-Ausstoß. 18 % der weltweiten Treibhausabgase geht auf das Konto der Massentierhaltung. Nach den Zahlen übertrifft dies sogar den Transportsektor, denn diese betragen nur 13 % an den Gesamtemissionen. Somit wäre fleischessen klimaschädlicher als Autofahren.
Lösungsansatz:
„Vegetarismus ist Umweltschutz“.
Kein Fleisch zu essen oder dies zu verringern wirkt sich doppelt positiv auf die Umwelt aus. Erstens wird dadurch ein großer Teil der Umweltverschmutzung vermieden, die bei der Fütterung, Aufzucht und der Verarbeitung von Schlachttieren entsteht. Dazu zählen der Einsatz von Energie, Wasserbelastung durch Tierfäkalien und ebenso Antibiotika, Pestiziden und Düngern. Die Vegetarische Ernährungsweise hat einen deutlich geringeren Verbrauch an natürlichen Ressourcen wie Wasser, Energie und Luft. Somit würde man die knappen natürlichen Ressourcen durch die fleischlose Ernährung schonen. Man kann zwar nicht von einem Tag auf den anderen aufhören Fleisch zu essen, aber man kann es verringern, somit würde das Fleisch an sich wieder an Wert gewinnen, zumal man früher nur einmal in der Woche, Sonntags, Fleisch gegessen hat. Es sollte möglich sein seine eigenen Ansprüche etwas runter zu schraubt, denn somit könnte man einige Tiere retten, die Umwelt schützen und sich gesünder Ernähren.
Vergleich der Tierhaltung Zuhause und der Landwirtschaft
Tierschutz in Deutschland ist seit 2002 im Grundgesetzbuch verankert. Dennoch ist die Realität von Tierfabriken bestimmt. Über 50 Millionen Hühner und Puten, 30 Millionen Schweine und Millionen von Rindern werden in Anlagen gesperrt, indem sie aus Kostengründen auf engsten Raum gehalten werden. In den Käfigen haben sie kaum eine Möglichkeit sich zu bewegen und ebenso haben sie kaum Licht. Über 90 % der Schweine in Deutschland verbringen ihr ganzes Leben in engen, dunkeln Ställen, die von Eintönigkeit geprägt sind. Aus Langeweile kauen sie sich ihre Schwänze ab. Damit das nicht geschieht trennt man bei jungen Ferkeln einfach die Schwänze ab und das ohne Betäubung. Ebenso werden Antibiotika als Leistungsförderer benutzt, obwohl sie zwar seit 2006 verboten sind , dennoch greifen viele darauf zurück. Die Menge der eingesetzten Antibiotika sind in den Regionen wie Niedersachsen erheblich gestiegen.
Die aufgezählten Punkte zeigen eine weniger Artgerechte Tierhaltung. Angemessen wäre es wenn die Tierhaltung sich an die Lebensbedingungen der Tiere orientiert und besonders angeborene Verhaltensweisen der Tiere beibehält oder Rücksicht drauf nimmt. Somit würde man, im Gegensatz zur Massentierhaltung, sich an die Bedürfnisse der Tiere anpassen.
Sie würden mehr Platz zum Leben, bewegen und essen haben. Ebenso sind sie in der freien Natur und können sich individuell ausfalten. Die oben genannten Probleme wären nicht mehr ein Bestandteil im Leben der Tiere.
Fazit:
Es wäre zu schön um Wahr zu sein, wenn nur durch Druck aus Tierschutzorganisationen, Politik, Medien und der Öffentlichkeit die Landwirte moralisch gut handeln. Wenn es um das Wohl der Tiere geht, müssen sie in der Verantwortung gegenüber den Tieren unterstützt werden. Denn es muss eine Lange Zeit vergehen bis moralisches Handeln finanziell belohnt und unmoralisches Handeln finanziell bestraft wird. Bis dahin sollte man die Ethik in der Landwirtschaft als gemeinsames Projekt ansehen, das erst durch das Mitwirken vieler Menschen ein positives Ergebnis erreichen kann. Nur so hat man guten Grund anzunehmen, dass ein Fortschritt im Sinne der Tiergerechtigkeit erzielt wird. Die Voraussetzung dafür ist es, das die Landwirte glaubwürdig für Tiergerechtigkeit eintreten und diese auch publik machen und somit auch kommunizieren. Vielleicht wird der Gegenwind, der aktuell ins Gesicht weht, mit der Zeit, irgendwann, zum Rückenwind.
Quellen:
Buch : Ethik in der Nutztierhaltung
von Dilara Özdemir