Das „natürliche Verhalten“ von Schweinen
Schweine sind tagaktive Tiere, welche die meiste Zeit mit der Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme verbringen. Der natürliche Lebensraum von Schweinen ist der Wald. Es bestehen keine wesentlichen Unterschiede zwischen Wildschwein und Hausschwein. Ausgangspunkt für die Gestaltung einer artgemäßen Schweinehaltung, sind die Anforderungen der Tiere, an ihre Haltungsumwelt auf der Grundlage des arteigenen Verhaltens. Es gibt die sogenannten Funktionskreise des Verhaltens. Das bedeutet, dass die Verhaltensweisen von Schweinen in Funktionskreise eingeteilt werden. Dabei werden jeweils solche Verhaltensweisen, die einer gemeinsamen Funktion unterliegen, zusammengefasst. Schweine führen Verhaltensweisen verschiedener Funktionskreise an unterschiedlichen Orten aus. Diese Verhaltensweisen werden nun aufgezeigt.Sozialverhalten:
Schweine zeigen ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. Die meisten Verhaltensweisen, wie zum Beispiel fressen, werden gemeinsam ausgeführt. Schweine leben in kleinen Familiengruppen zusammen. Das Zusammenleben einer Schweinegruppe regelt die Rangordnung. Die Kommunikation und Individualerkennung zwischen Schweinen erfolgt in erster Linie über akustische Signale und über den Geruch.
Ruheverhalten:
Schweine haben eine zweiphasige Tagesaktivität. Diese zeigen sich durch Aktivitätsspitzen sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag an. Mittags wird längere Zeit geruht. Die Hauptruhezeit betrifft jedoch die Nacht. Die Dauer der Gesamtruhephasen für Wildscheine liegt bei 13 bis 16 Stunden. Im Stall gehaltene Schweine ruhen zwischen 17,5 bis 19 Stunden.
Fortbewegungsverhalten:
Schweine sind bewegungsaktive Tiere. Sie gehen im Schritt, traben und galoppieren. Schweine schwimmen auch bei Gelegenheit und hohen Temperaturen.
Körperpflegeverhalten:
Schweine suhlen, da sie nicht schwitzen können. Die Borsten der Hausschweine haben ihre Funktion als Wärmeisolierungsfaktor weitgehend verloren. Ab ca. 18-20°C werden Kühlungsmöglichkeiten gerne angenommen und verbessern das Wohlbefinden. In der Freilandhaltung ist Suhlen ein Muss, da dies Sonnenbrände vorbeugt.Suhlen schützt Schweine vor Überhitzung, Sonnenbrand und Hautparasiten.
Mit dem Einsatz der Hinterextremitäten zum Kratzen erreichen Schweine nicht alle Körperbereiche. Deshalb benutzen sie verschiedenste Gegenstände, um bei der Hautpflege alle Körperregionen zu erreichen.
Erkundungsverhalten:
Schweine sind im Allgemeinen, sehr neugierige Tiere. Sie erkunden ihre Umgebung sowohl mit den Augen, als auch durch Überprüfen mit dem Rüssel und ihrem Geruchssinn. Das Riechvermögen des Schweins ist mit dem des Hundes zu vergleichen. Die Russelscheibe ist mit zahlreichen Geruchs- und Tastrezeptoren ausgestattet.
Sexualverhalten:
Hausschweine sind mit 6-8 Monaten geschlechtsreif. Der weibliche Zyklus dauert 21 Tage. Hausschweine können das ganze Jahr über gedeckt werden. Der Deck Akt beginnt mit einem ausführlichen Vorspiel. Bleibt die Sau stehen und duldet den Eber, ist sie paarungsbereit. Dies wird auch als Duldungsreflex bezeichnet.
Spielverhalten:
Das Spielverhalten stellt eine Verhaltensweise dar, die ein Tier nur dann zeigt, wenn grundsätzliche Anforderungen an sein Wohlbefinden erfüllt sind. Das Bedeutet ein Tier spielt nur dann, wenn es sich wohl fühlt. Das Spielverhalten kann man häufig in dazu geeigneter Umgebung beobachten, sehr eingeschränkt hingegen, in monotoner Umwelt oder auf ungeeigneten Böden. Ferkel spielen sehr viel, jedoch kann auch bei älteren oder erwachsenen Schweinen spielerisches Verhalten beobachtet werden. Des Weiteren gibt es natürlich auch Formen beim spielen wie zum Beispiel, dass rennen, aufreiten, raufen und das springen.
Gruppenhaltung:
Schweine sind sogenannte Rudeltiere und zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Mit Ausnahme des Abferkelns und der Eber sind sie daher in Gruppen zu halten. Durch stabile Gruppenzusammensetzungen kann Stress durch Rangauseinandersetzungen vermieden werden.
Eine "artgerechte" Schweinehaltung
Tageslicht:Schweine sind, wie erwähnt, tagaktive Tiere. Daher sollten die Ställe mit Tageslicht ausgestattet sein. Mit Ausnahmen von Liegekisten und reinen Rückzugsbereichen, die etwas dunkler sein sollten.
Getrennte Funktionsbereiche:
Die folgenden Funktionsbereiche, sollten in vier getrennten Bereichen, aufgeteilt sein. Zum einen der Aktivitätsbereich, der Fressbereich, der Kotbereich und der Liegebereich.
Aktivitätsbereich:
Als Aktivitätsbereich kommt ein Auslauf ins Freie, den Bedürfnissen der Schweine sehr entgegen. Hier können Wühlmaterialien und Raufutter angeboten werden. Ein befestigter Auslauf bietet Raum für Bewegungs- und Erkundungsverhalten. Neben dem befestigten Auslauf ist es möglich den Schweinen zusätzlich oder ersatzweise einen Weidegang zu bieten.
Fressbereich:
Anforderungen an den Fressplatz sind zum einen verschließbare Einzelfressstände mit Sichtblenden im Kopfbereich und die Tier-Fressplatzverhältnisse sollten den Maßstab von 1:1 haben. Schweine fressen meist gleichzeitig, deswegen finden am Fressplatz immer wieder Auseinandersetzungen statt, daher ist die Gestaltung des Fressbereichs besonders wichtig.
Kotbereich:
Der Kotbereich wird in größtmöglicher Entfernung zum Liegebereich vorgesehen. Wenn Schweine die Möglichkeit haben, trennen sie Kot- und Liegebereich sogar peinlich genau. Er kann mit oder ohne Einstreu planbefestigt sein oder aber perforiert sein. Ausläufe mit Kotbereich sollten eingestreut und maschinell entmistet werden.
Liegebereich:
Der Liegebereich soll trocken und verformbar sein, einen Nestcharakter besitzen und natürlich ausreichend viel Platz pro Schwein bieten. Des Weiteren soll der Liegebereich ausschließlich eine Ruhezone sein und im Winter reichlich eingestreut sein.
Die „Haustierwerdung“
Als die Menschen anfingen sich niederzulassen und sesshaft zu werden, fingen sie an Schweine als Haustiere zu halten. Es wurde nur das Wildschwein domestiziert, sprich nur das Wildschwein wurde gebändigt und an den Menschen gewöhnt, obwohl sich wahrscheinlich alle Schweinearten an den Haustierstand gewöhnen und anpassen würden. Alle Hausschweinrassen stammen von Unterarten des eurasischen Wildschweins ab. Als Stammeltern gelten die mitteleuropäischen Wildschweine, sowie das Sardenschwein, aus dem Mittelmeerraum und zu guter letzt das asiatische Bindenschwein. Schweine werden hauptsächlich als Fleischlieferanten gehalten, denn sie sind schnellwüchsig und bekommen viel Nachwuchs. Auch in der Medizin spielen die Schweine eine wichtige Rolle. Sie sind an der Produktion von vielen Arzneistoffen beteiligt, wie zum Beispiel an darunter auch Insulin. Auch aus Schweinehaut wird Leder gemacht und aus Schweineborsten werden Bürsten und Pinsel produziert. Schweinefett findet sich auch in Kosmetika wieder. Schweinegalle wird als Zusatz zum Färben von Stoffen verwendet.Aber auch im Polizeidienst oder bei der Trüffelsuche werden Schweine eingesetzt. Das hat den Grund, da die Schweine ein ausgezeichnetes Riechorgan haben und mindestens genauso treu und gelehrig sind, wie Hunde.Wenn Hausschweine freier gehalten werden, können Einkreuzungen der Wildform auftreten, auch können sie wieder verwildern.Durch Kreuzungen von Tieren aus Deutschland, China, England, Spanien, Indien und Portugal entstand eine Vielfalt an Rassen, die den verschiedenen Ansprüchen der Verbraucher angepasst wurden. Viele Rassen konnten sich aber nicht durchsetzten und starben mit der Zeit aus. Früher wurden Schweine hauptsächlich auf Weiden oder in großen Mischwäldern gehalten. Dies ist darauf zurück zu führen, dass die Schweine dort ihr Futter selber suchen konnten. Im frühen Mittelalter nahm die Schweinehaltung in weiten Teilen Mitteleuropas deutlich zu. Schweine wurden auf dem Land und auch auf den entstehenden Städten gehalten. Erst in der Neuzeit setzte eine gezielte Rassenzucht ein. Das passierte zunächst in England. Durch verschiedene Züchtungen und Ansprüche der Verbraucher entstanden viele neue Rassen. Umso mehr der Wohlstand der Menschen und das Wachsen der Technik stiegen, umso mehr verschlechterte sich die Landwirtschaft und die Lebensbedingungen der Schweine. Die Schweine wurden nun mehr und mehr in Ställen gehalten. Außerdem wurde die Weidehaltung verringert, weil nicht mehr so viele Schweine draußen gehalten werden konnten. Im Stall könnten die Tiere auch intensiver gemästet und gefüttert werden. Die Intensivproduktion von Schweinefleisch ist in 3 Spezialbetriebe aufgeteilt; zuerst mal in die Zucht der Schweine, danach die Ferkelerzeugung und zum Schluss die Mast. In manchen "modernen" Anlagen werden Tausende von Schweinen auf kleinsten Raum und in engen Boxen gehalten. Das hat die Folge, dass die Schweine sich kaum bewegen können. Selbst die Schweinehaltungsverordung schreibt nur einen Platz von 0,7 m2 pro Tier vor. Dieser Platz reicht gerade mal zum hinlegen und aufstehen. Viele Ställe haben Fenster mit Tageslicht aber leider gibt es noch dunkle Gefängnisse in denen nur 1 - 2 mal am Tag, zur Fütterung, für kurze Zeit Kunstlicht angeschaltet wird.Die Tiere stehen auf kalten, nassen, kotverschmierten Spaltenböden, damit ihr Kot durch die Zwischenräume fallen kann. Zwar kann durch moderne Technik gute Frischluft zugeführt werden, aber leider wird es nicht in allen Ställen genutzt.
Da Schweine sehr bewegungsfreudige Tiere sind und einen ausgeprägten Erkundungsdrang haben, treten Verhaltensstörungen durch diese trostlose Sterilität und Enge auf. Sie leiden unter anderem unter einem unbefriedigten Kaubedürfnis, die Schweine kauen ohne Futter im Maul stundenlang weiter oder sie rütteln an den Metallrohren, die ihren qualvoll engen Lebensraum begrenzen. Außerdem werden sie durch die Haltungsbedingungen zur Untätigkeit gezwungen. Die meiste Zeit des Tages sitzen sie auf ihren Hinterläufen und trauern.
Chronische Lungenerkrankungen, schmerzhafte Nasenverkrümmungen, schwere Klauen- und Gelenksverletzungen sind keine Seltenheiten. Es tritt auch Kannibalismus an Ohren und Flanken der Leidensgenossen auf.
Damit Schweine diese lebenslange Marter überstehen, werden sie mit Chemikalien vollgepumpt.
Leben in Freiheit unter natürlichen Bedingungen
Für die ausgedehnte Weidehaltung sind nur wenige robuste Schweinerassen geeignet. Dazu gehört zum Beispiel das Wollschwein. Hierbei stehen den Tieren auf der Weide, Hütten zur Verfügung, die im Sommer kühl und im Winter ausreichend warm sind.In Gebieten wo es viel regnet oder auf lehmigen Böden, muss aber mit einer starken Verschlammung des Weidegrundes gerechnet werden.Meiner Meinung nach könnten heut zu Tage die Schweine nicht mehr alleine in der Natur überleben. Zum einen hat es den Grund das die Haut bei den "Rosa Schweinerassen" unpigmentiert sind, dadurch sind die Schweine Sonnen empfindlich. Des Weiteren sind die "Rosa Schweinerassen" im Frühjahr stark Sonnenbrand gefährdet. Dies bedeutet, dass das Schwein im Freien ein Sonnenschutz haben müsste. Ob das Schwein diesen Platz, den ganzen Frühjahr über finden würde, ist fragwürdig. Schweine fühlen sich bei Temperaturen zwischen +5 und +25 °C am wohlsten, da sie nicht schwitzen können. Viele Schweißdrüsen haben Schweine nur auf der Rüsselscheibe. Die Hautoberfläche der Schweine muss bei höheren Temperaturen also kühl bleiben. Diese Aufgabe soll der Schlamm oder das Wasser übernehmen. Schweinen muss in der heißen Jahreszeit die Möglichkeit zum Abkühlen gegeben sein. Dies soll über „Duschen“ oder Suhlen angeboten werden. Daran würden die Schweine wahrscheinlich ebenfalls scheitern. Das bedeutet sie würden den Winter oder den Sommer nicht überleben.
Fazit
Gleich ob Wildschwein oder Hausschwein, um sich richtig wohl zu fühlen, muss für Schweine die Gelegenheit bestehen, sich ab und zu im Schlamm zu suhlen.
Quellen
http://onlinestreet.de/350804-internationale-gesellschaft-fuer-nutztierhaltung-artgemaesse-schweinehaltung
http://www.schweinefreunde.de/schweine/schweine-verhalten/schweine-verhalten1.htm
Artgemäße Rinder, Schweine- und Hühnerhaltung. Grundlagen und Beispiele aus der Praxis: Artgemäße Schweinehaltung [Taschenbuch], Bernhard Hörning, Beratung Artgerechte Tierhaltung e.V.
Saskia Schulz



