Bodenblog

Sonntag, 29. April 2012

Grüne Revolution

Als Grüne Revolution wird die ab ca. 1960 Jahren begonnene Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Hochleistungs- bzw. Hochertragssorten und deren erfolgreiche Verbreitung in Entwicklungsländern bezeichnet, da diese in den 1950er und 1960er Jahren mehrfach von Hungerkrisen betroffen waren. 

Die grüne Revolution fand vor allem in Asien mit seinen reichen Ressourcen statt, wobei die Unterstützung durch die jeweiligen Regierungen (Garantiepreise, kostenlose Bewässerung und stark subventionierte Inputs) wesentlich war. Ostindien oder Subsahara-Afrika nahm, wegen fehlender Unterstützung durch die dortigen Regierungen, an dieser Entwicklung nicht teil. 

Diagramme: Harald Wilfer


Das Ziel der grünen Revolution war die Produktion von Weizen, Mais und Bohnen zu steigern (Beispiel: Mexiko). Dies wurde mit neuen Hochleistungssorten (3.000 neue Sorten in vier Jahrzehnten) erreicht. Vor allem Halbzwergsorten erwiesen sich als Entwicklungsmotor. Sie knicken schwerer um, sind früher reif und unempfindlicher gegenüber Lichteinwirkung. Außerdem konnten Resistenzen gegen Schädlinge und Krankheiten in diese Sorten eingekreuzt werden. Frühreife Sorten ermöglichten eine Verkürzung der Anbauperiode und eine zweite Aussaat und Ernte. 

Die positiven Folgen: Die landwirtschaftlichen Erträge wurden erhöht, wovon Bauern und Konsumenten weltweit profitierten und die Mangelernährungs- und Kindersterblichkeitsraten wurden signifikant gesenkt (s. Diagramme).

Daneben entstanden umweltschädigende Folgen der Grünen Revolution: Bodendegradierung (z.B. durch Versalzung), chemische Verunreinigung von Boden und Wasser (durch starken Einsatz von Mineraldüngern und Pestiziden), sowie eine stärkere Beanspruchung und Ausbeutung von Grundwasserleitern (künstliche Bewässerung). Diese schadeten Nützlingen und Wildtieren sowie der Gesundheit der Bauern. Als Nebeneffekt ist ein Rückgang der ursprünglich genutzten Anbaupflanzensorten zu verzeichnen.

Ein Beispiel: „Zum Ziel der höheren Erträge wurden die Erntezyklen vieler Sorten, vornehmlich Reis nachhaltig verändert. In vielen Fällen beeinflussen allerdings die Erntezyklen der Getreide die Brutzyklen der Schädlinge. So zum Beispiel die Braune Reiszikade in Süd- und Ostasien, die sich nur während des Reisanbaus fortpflanzt und nach der Ernte verendet. Durch die schneller gestaffelten Reisernten kann sich die Zikade das ganze Jahr ungehindert vermehren und es entstehen richtiggehende Schädlingsplagen. Diese starke Vermehrung der Schädlinge erhöht das Risiko des Ausfalls großer Teile der Ernte und führt so zum verstärkten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.“

Der Düngermitteleinsatz (Kunstdünger, Volldünger oder NPK = Natrium, Phosphor, Kalium als Hauptnährelemente) erhöhte sich deutlich in den letzten vier Jahrzehnten, auf chinesischen Nassreisfeldern lag er 2004 bei 256 kg/ha, in Vietnam bei 173, Indonesien bei 167 und Indien bei 95 kg/ha. In Punjab und Haryana, den am meisten von der Grünen Revolution erfassten indischen Bundesstaaten, wurden durchschnittlich über 200 kg ausgebracht.
Auch der Wassereinsatz stieg in vielen asiatischen Ländern massiv an, insbesondere Indien. Dort war ein Zuwachs von 70 % in den letzten drei Jahrzehnten zu verzeichnen.
Die Abhängigkeit der lokalen Bauern und der Länder von den großen internationalen Konzernen: Die dort eingekauften Hochertragssorten sind steril und durch Patentrecht geschützt. Das angebaute Getreide kann nicht als Grundlage für die Aussaat des folgenden Jahres verwenden werden. Verstöße werden als Straftat streng verfolgt. Teurer, chemiehaltiger Dünger ist ebenso notwendig um den Ertrag zu steigern, wie die Verwendung von Pestiziden zum Schutz gegen die erhöhte Schädlingsgefahr. Beides muss bei den großen internationalen Konzernen eingekauft werden. Viele Bauern, die bereits vor der Grünen Revolution unter Armut litten, konnten sich das teure Saatgut der zumeist sterilen Hochertragssorten nicht leisten, ebenso wenig wie die chemischen Pestizide und Düngemittel. Vor allem in Indien rutschte eine große Zahl an Bauern in die Landlosigkeit ab oder musste sich der Schuldknechtschaft bei reichen Bauern verpflichten.

Die Grüne Revolution konnte den Hunger nicht gänzlich besiegen und auch die Verteilung hat sich durch die Grüne Revolution nicht gerechter gestaltet: Trotz Unter- und Mangelernährung im eigenen Land exportiert Indien große Mengen an Getreide, meist von Großbetrieben mit erheblichem Ressourcenverbrauch produziert, von denen nach offiziellen Statistiken 20 - 30 % von Ratten gefressen werden. 

Gegenwärtige Ansätze
Konventionelle Ansätze: Integrierter Pflanzenschutz, Nährstoffmanagement und wassersparende Bewässerungstechnologien sollen die Probleme lösen. Im Bereich der Pflanzenzüchtung konzentriert man sich heute verstärkt auf den Anbau an Grenz-Standorten (Salztoleranz für Anbau an Meeresküsten, Fluttoleranz für Überflutungsregionen, Trockentoleranz für Trockengebiete u.a.).
Das ökologische Gegenmodell zu einer "grünen Revolution" mit industrialisierter Landwirtschaft und dem Fokus auf der Versorgung der Städte und dem Export entwickeln verschiedene Wissenschaftler. Dieses ist unter dem Begriff "grüne Renaissance"  [Renaissance statt Revolution (Bass)] mit ökologisch verträglicher, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und dem Fokus auf der Ernährungssicherung bekannt.

Quelle (verändert nach): Wikipedia "Grüne Revolution"


1 Kommentar:

  1. Es fehlen noch:
    1. "Gute Botschaft aus Bangladesch"
    Link: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3728
    und
    2. "Eine globale Revolution gegen Hunger"
    Link: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3727

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