Als Grüne Revolution wird die ab ca. 1960 Jahren begonnene
Entwicklung moderner landwirtschaftlicher Hochleistungs- bzw. Hochertragssorten
und deren erfolgreiche Verbreitung in Entwicklungsländern
bezeichnet, da diese in den 1950er und 1960er Jahren mehrfach von Hungerkrisen
betroffen waren.
Die grüne Revolution fand vor allem in Asien mit seinen reichen Ressourcen statt,
wobei die Unterstützung durch die jeweiligen Regierungen (Garantiepreise,
kostenlose Bewässerung und stark subventionierte Inputs) wesentlich war. Ostindien oder
Subsahara-Afrika nahm, wegen fehlender Unterstützung durch die dortigen Regierungen,
an dieser Entwicklung nicht teil.
| Diagramme: Harald Wilfer |
Das Ziel der grünen Revolution war die Produktion von Weizen, Mais und Bohnen zu
steigern (Beispiel: Mexiko). Dies wurde mit neuen Hochleistungssorten (3.000
neue Sorten in vier Jahrzehnten) erreicht. Vor allem Halbzwergsorten erwiesen
sich als Entwicklungsmotor. Sie knicken schwerer um, sind früher reif und
unempfindlicher gegenüber Lichteinwirkung. Außerdem konnten Resistenzen gegen
Schädlinge und Krankheiten in diese Sorten eingekreuzt werden. Frühreife Sorten
ermöglichten eine Verkürzung der Anbauperiode und eine zweite Aussaat und
Ernte.
Die positiven Folgen: Die landwirtschaftlichen Erträge wurden erhöht,
wovon Bauern und Konsumenten weltweit profitierten und die Mangelernährungs-
und Kindersterblichkeitsraten wurden signifikant gesenkt (s. Diagramme).
Daneben entstanden umweltschädigende Folgen der Grünen Revolution: Bodendegradierung
(z.B. durch Versalzung), chemische Verunreinigung von Boden und Wasser (durch
starken Einsatz von Mineraldüngern und Pestiziden), sowie eine stärkere Beanspruchung
und Ausbeutung von Grundwasserleitern (künstliche Bewässerung). Diese schadeten
Nützlingen und Wildtieren sowie der Gesundheit der Bauern. Als Nebeneffekt ist
ein Rückgang der ursprünglich genutzten Anbaupflanzensorten zu verzeichnen.
Ein Beispiel: „Zum Ziel der höheren Erträge wurden die Erntezyklen vieler
Sorten, vornehmlich Reis nachhaltig verändert. In vielen Fällen beeinflussen
allerdings die Erntezyklen der Getreide die Brutzyklen der Schädlinge. So zum
Beispiel die Braune Reiszikade in Süd- und Ostasien, die sich nur während des
Reisanbaus fortpflanzt und nach der Ernte verendet. Durch die schneller
gestaffelten Reisernten kann sich die Zikade das ganze Jahr ungehindert
vermehren und es entstehen richtiggehende Schädlingsplagen. Diese starke
Vermehrung der Schädlinge erhöht das Risiko des Ausfalls großer Teile der Ernte
und führt so zum verstärkten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.“
Der Düngermitteleinsatz
(Kunstdünger, Volldünger oder NPK = Natrium, Phosphor, Kalium als Hauptnährelemente)
erhöhte sich deutlich in den letzten vier Jahrzehnten, auf chinesischen
Nassreisfeldern lag er 2004 bei 256 kg/ha, in Vietnam bei 173, Indonesien
bei 167 und Indien bei 95 kg/ha. In Punjab und Haryana,
den am meisten von der Grünen Revolution erfassten indischen Bundesstaaten,
wurden durchschnittlich über 200 kg ausgebracht.
Auch der Wassereinsatz stieg in
vielen asiatischen Ländern massiv an, insbesondere Indien. Dort war ein Zuwachs
von 70 % in den letzten drei Jahrzehnten zu verzeichnen.
Die Abhängigkeit der lokalen Bauern und der Länder von den großen
internationalen Konzernen: Die dort eingekauften Hochertragssorten sind steril
und durch Patentrecht geschützt. Das angebaute Getreide kann nicht als
Grundlage für die Aussaat des folgenden Jahres verwenden werden. Verstöße
werden als Straftat streng verfolgt. Teurer, chemiehaltiger Dünger ist ebenso notwendig
um den Ertrag zu steigern, wie die Verwendung von Pestiziden zum Schutz gegen
die erhöhte Schädlingsgefahr. Beides muss bei den großen internationalen
Konzernen eingekauft werden. Viele Bauern, die bereits vor der Grünen
Revolution unter Armut litten, konnten sich das teure Saatgut der zumeist
sterilen Hochertragssorten nicht leisten, ebenso wenig wie die chemischen
Pestizide und Düngemittel. Vor allem in Indien rutschte eine große Zahl an
Bauern in die Landlosigkeit ab oder musste sich der Schuldknechtschaft bei
reichen Bauern verpflichten.
Die Grüne Revolution konnte den Hunger nicht gänzlich besiegen und auch die
Verteilung hat sich durch die Grüne Revolution nicht gerechter gestaltet: Trotz
Unter- und Mangelernährung im eigenen Land exportiert Indien große Mengen an
Getreide, meist von Großbetrieben mit erheblichem Ressourcenverbrauch
produziert, von denen nach offiziellen Statistiken 20 - 30 % von Ratten
gefressen werden.
Gegenwärtige Ansätze
Konventionelle Ansätze: Integrierter
Pflanzenschutz, Nährstoffmanagement
und wassersparende
Bewässerungstechnologien sollen die Probleme lösen. Im Bereich der Pflanzenzüchtung konzentriert man sich
heute verstärkt auf den Anbau an Grenz-Standorten (Salztoleranz für Anbau an
Meeresküsten, Fluttoleranz für Überflutungsregionen, Trockentoleranz für
Trockengebiete u.a.).
Das ökologische Gegenmodell zu einer "grünen Revolution" mit
industrialisierter Landwirtschaft und dem Fokus auf der Versorgung der Städte
und dem Export entwickeln verschiedene Wissenschaftler. Dieses ist unter dem
Begriff "grüne Renaissance" [Renaissance statt Revolution (Bass)]
mit ökologisch verträglicher, kleinbäuerlicher Landwirtschaft und dem Fokus auf
der Ernährungssicherung bekannt.
Quelle (verändert nach): Wikipedia "Grüne Revolution"
Es fehlen noch:
AntwortenLöschen1. "Gute Botschaft aus Bangladesch"
Link: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3728
und
2. "Eine globale Revolution gegen Hunger"
Link: http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=3727