Definition:
Als Parasiten bezeichnet man Tiere oder Pflanzen, die von
einem anderen Lebewesen ( Wirt ) leben, ohne ihn sofort zu töten. Parasiten
halten sich zur Nahrungsaufnahme ständig (permament) oder zeitweise (
periodisch ) an ( s. Ektoparasitismus) oder in ( s. Endoparasitismus) ihrem
Wirt auf. Für den Wirt kann der Befall von Parasiten bedeutungslos sein, jedoch
kann es ihn auch schädigen bzw. später
zum Tod des Wirtes führen. Grundsätzlich werden Parasiten in stationäre und
temporäre Parasiten unterteilt. Unter stationären Parasiten gehört zum Beispiel
der Floh, der sein ganzes Leben an seinem Wirt bleibt. Ein Wechsel des Wirtes
geschieht nur, wenn der Wirt stirbt oder der Wirt engen Kontakt mit einem
anderen potenziellen Wirt hat. Temporäre Parasiten sind unter anderem Mücken,
die nicht ihr ganzes Leben beim Wirt verbringen, sondern ihn nur zur
Nahrungsaufnahme aufsuchen. Zur Nahrung der Parasiten gehören Gewebe,
Körperflüssigkeiten und Nährstoffe des Wirtes. Einige Parasiten haben bestimmte
Wirte bzw. sind nicht mit jedem Wirt kompatibel. ( Wirtsspezifität)
Begriffserklärung :
Ektoparasitismus : Parasit befindet sich am Wirt. Hierfür
hat der Parasit weitentwickelte Haft- und Stechorgane.
Endoparasitismus: Parasit befindet sich im Wirt. Aufgrund
der mangelnden Bewegungsmöglichkeiten findet man diese Parasiten mit häufigen
Rückbildungen von Sinnes- und Bewegungsorganen.
Pflanzliche
Parasiten:
Die bekanntesten pflanzlichen Parasiten sind wohl ohne Frage
die Pflanzenschädlinge. ( s. Blog : Pflanzenschädlinge) Meist sind es Insekten,
die Pflanzen durch Befressen und Besaugen direkt schädigen oder
Pflanzenkrankheiten übertragen. ( Raupen, Käfer ) In der Landwirtschaft sind
hierfür bedeutende Parasiten die Kartoffelkäfer. Sie ernähren sich nicht nur
von der Kartoffelpflanze, sondern auch von Pfeffer, Tabak, Auberginen und
Tomaten. Auch im Weinbau gibt es Parasiten wie zum Beispiel die Reblaus.
Zu den pflanzlichen Parasiten zählen außerdem noch Pilze.
Sie gehören nicht zu den Pflanzen, sondern sind eine eigene Art von Lebewesen.
Auch ernähren sie sich nicht nur von totem, sondern auch von lebendigem
Material und sind deshalb hemitroph. ( s. Begriffserklärung) Die bekanntesten
Pilzkrankheiten an Pflanzen sind die Blattfleckenkrankheit und der echte
Mehltau. Die Blattfleckenkrankheit tritt in der Landwirtschaft meist bei Mais
auf und ruft gelbe und braune Flecken auf dem Blatt hervor, während der echte
Mehltau schon in unseren Wohnungen vorzufinden ist. Der echte Mehltau besteht
aus einem weißen Belag, der Haustorien (Saugorgane) bildet, die zur
Nährstoffaufnahme des Pilzes beitragen. So entzieht der Pilz der Pflanze
Nährstoffe, während er sich ernährt.
Auch wenige Bakterien und Viren zählen zu Parasiten. So zum
Beispiel der Erreger Plasmodium. Er verursacht die Tropenkrankheit Malaria, an
der jährlich 400 Millionen Menschen erkranken. Durch den Stich der
Anopheles-Mücke kommt der Erreger in den Blutkreislauf des Menschen.
Begriffserklärung:
Hemitroph : Parasiten, die sich sowohl von toten als auch
von lebenden Zellen des Wirtes ernähren können.
Nekrotroph : Parasiten, die sich von toten Zellen des Wirtes
ernähren. Zellen können tot sein oder von Parasiten erst abgetötet werden.
Biotroph : Parasiten, die sich von lebenden Zellen des
Wirtes ernähren.
Pflanzengalle als
Form von Parasitismus an Pflanzen:
Eine genaue Definition einer Pflanzengalle existiert nicht,
jedoch kann sie als Veränderung von Pflanzenteilen, mit denen die Pflanze auf
die Einwirkung bestimmter Tiere, Pflanzen oder Pilze reagiert, gesehen werden.
Geschichte :
Schon sehr früh machten sich die Menschen Gallen wie z.B den
Gallapfel der Eiche zu Nutze, jedoch wurde dieses Gebiet der Biologie erst Ende
des 17. Jahrhunderts erforscht. Hippokrates von Kos schrieb als erstes über die
Gallbildungen, die er jedoch nur als Früchte von Pflanzen hielt und nicht in
Verbindung mit Parasiten setzte. Erst Marcello Mapighi beschrieb in seinem Buch
detailliert die verschiedenen Formen von Gallen.
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| Gallapfel - Juergen.mangelsdorf on Flickr |
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| Hippokrates von Kos - El Bibliomata on Flickr |
Erzeuger der Gallen:
Gallen können von fast jedem Lebewesen hervorgerufen werden.
Meist sind es jedoch Viren, Bakterien, Milben, Pilze und Insekten. Etwa 15.000
Arten von Lebewesen sind bekannt, die Gallen an Pflanzen erzeugen können.
Der Gallenerzeuger und die befallene Pflanze leben zwar in
einem parasitären Verhältnis, jedoch
nimmt die befallen Pflanze nicht immer an Schaden .Es ist sogar bekannt,
dass Gallenerzeuger und Wirtspflanze in Symbiose leben können. (s. Blog :
Symbiose )
Zu den wichtigsten Erzeugern der Gallen zählen Gallmilben (
Tetrapodili ), Blattläuse ( Aphidina ), Gallwespen ( Cynipidae ) und Gallmücken
( Cecidomyidae ). Die Tiere leben als Larven und auch im erwachsenen Zustand in
den Gallen und ernähren sich von ihnen. Trotz allem erzeugen Pilze die größten
Pflanzengallen, wie zum Beispiel den Baumkrebs.
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| Baumkrebs - Karl and Ali : licensed for reuse |
Entstehung einer
Pflanzengalle:
Gallen kommen an fast allen Pflanzen vor, jedoch sind einige
Gallen nicht gleich sichtbar. Andere wiederum sind nicht zu übersehen. ( s.
Obstbaumkrebs)
Gallen entstehen auf unterschiedliche Arten. So können sie
aufgrund der bloßen Anwesenheit oder Vermehrung der Parasiten in den
Pflanzenorganen auftauchen. Auch können sie durch bestimmte Methoden von
weitentwickelten Parasiten erzeugt werden. Hierbei wird in den Stoffwechsel der
Pflanze eingegriffen, sodass Größe, Zahl oder Stellung der Pflanzenorgane
verändert werden kann. Es kann auch das Pflanzengewebe verändert werden,
wodurch dann sogenannte histoide Gallen hervorgerufen werden, die sich in
Blattrollungen, Blattfaltungen,Filz-, Mark-, Umwandlungs-, oder Beutelgallen
sehen lassen. Neubildungen von Organen oder Veränderungen einzelner
Pflanzenteile, wie Formveränderung oder Blattstellungsanomalien der Pflanze
nennt man organoide Gallen.
Durch
das Injizieren von Cytokininen( Pflanzenhormone für Wachstum und Entwicklung ),
schaffen sich unter anderem Insekten und auch weitentwickelte Gallenerzeuger
einen Hohlraum zum Schutz gegen Feinde und Wetterverhältnisse. Diese
Pflanzenhormone wirken sich wachstumshemmend- oder steigend auf die
Pflanzenorgane aus.
Bestimmung von
Gallenerzeuger:
Zunächst ist ein großer Hinweis für den Gallenerzeuger die
Wirtspflanze selbst. Jedoch entstehen die meisten Gallen an Eichen, weshalb
sich die Vielzahl an Gallenerzeuger hier nur schwer einschränken lässt.
Außerdem muss berücksichtigt werden, dass Gallenerzeuger auch einen
Wirtswechsel vollziehen, weshalb die Gallenerzeuger nicht nur eine bestimmte
Wirtspflanze haben. Auf diese Weise lässt sich schwer bestimmen, welche Galle
jetzt Erst- oder Zweitwahl ist. Weiterhin kann man den Gallenerzeuger
feststellen, indem man auf den Ort der Gallen achtet. Am Häufigsten sind die
Blüte, die Wurzel, der Stamm, die Blätter oder der Stängel einer Pflanze von
Gallen betroffen. Jedoch gibt es auch unterirdische Gallen. Auch die Zeit, bis
eine Galle auftaucht, spielt eine Rolle. Hierbei muss man beachten, dass
Gallen, die durch Bakterien, Viren oder anderen einzelligen Wesen ausgelöst
wurden, zeitlich unbegrenzt auftauchen können. Selbst Gallen vom selben
Gallenerzeuger können sich in Form und Gewebeaufbau unterscheiden, weshalb eine
genaue Bestimmung auch erschwert ist. Es existieren zwar Bestimmungsbücher, die
einzelne Eigenschaften der Gallen aufzählen und sie so kategorisieren, jedoch
kann man sich nicht eindeutig darauf verlassen, da die Gallen der Erzeuger je
nach Wirtspflanze variieren. Hinzu kommt, dass selbst klimatische Bedingungen
das Wachstum bzw. die Entwicklung der Gallen beeinflusst.
Leere Gallen:
Gallen werden nicht nur zum Schutz vor Wetter und Feinden
benutzt, sondern tragen auch zur Ernährung der Parasiten bei. Durch
Wirtswechsel oder dem Tod des Wirts, ist die Galle wieder bewohnbar, sodass
sogenannte Inquilinen ( Tiere, die in Nestern oder Bauten anderer Tiere leben)
in die Gallen einziehen können. Selten kommt es auch zur Tötung des Wirtes,
sodass die Inquilinen in der Galle einziehen können, um Schutz zu bekommen.
Beim Bewohnen der Galle kommt es meist zu Veränderungen der Form. Dabei kann
man gut erkennen, ob Gallenerzeuger noch in der Galle wohnt oder ob sich andere
Tiere dort eingenistet haben.
Parasitäre
Pflanzen:
Grundsätzlich werden parasitäre Pflanzen in Halbparasiten (
Hemiparasiten ) und Vollparasiten (Holoparasiten) unterteilt. Beide Arten
gehören den Parasiten an, jedoch in unterschiedlichem Maße. Zu den
Halbparasiten gehört zum Beispiel die Mistel. Halbparasiten bilden selbst
Chlorophyll und können die Fotosynthese betreiben, weshalb sie nicht voll und
ganz auf ihren Wirt angewiesen sind. Mit ihren Haustorien ( Saugorganen )
verankern sie sich in Laub- oder Nadelbäume und entziehen diesen nur Wasser und
gelöste Nährsalze, während Vollparasiten ganz auf ihren Wirt angewiesen sind.
Sie selbst können keine Fotosynthese betreiben, da ihnen das Chlorophyll fehlt.
So zum Beispiel die Schuppenwurz. In ihren Blättern ist kein Chlorophyll enthalten,
sodass sie alle Nährstoffe der Wirtspflanze braucht. Eine weitere bekannte
parasitäre Pflanze ist die Kleeseide, die ihre Wirtspflanze umschlingt und ihr
Nährstoffe entzieht.
Auch in der Landwirtschaft existieren solche parasitären
Pflanzen. Die wohl bekanntesten sind die Strigaarten, die aus der Familie der
Sommerwurzgewächse stammen. Es gibt etwa 34-35 Arten, die in den Tropen und
Subtropen meistens auf Gräsern parasitieren. In Afrika sind sie am meisten
vertreten, jedoch kann man sie auch weltweit finden. Sie verfügen über eine
große Toleranz gegenüber klimatischen Bedingungen, weshalb sie auch in Gebieten
mit großen Niederschlagsraten zu finden sind. Wie gefährlich dieses Unkraut
ist, kann man am Beispiel Afrikas sehen. Erst letztes Jahr litt Afrika an
Missernten aufgrund des Unkrautes Striga. Die Mais- und Hülsenfruchtfelder waren
vom Unkraut betroffen und verursachten Ernteausfälle von bis zu 1,2 Milliarden
US Dollar. Sommerwurzgewächse verfügen über eine große Verbreitungsmöglichkeit,
da sie über 100 000 Samen bilden, die vom Wind weiter getragen werden. Sie
treten meist als hemiparasitische Pflanzen auf und nicht selten sind sie
Vollparasiten. Aufgrund ihrer großen Toleranz an Gebieten und Wirtspflanzen
sind sie eine große wirtschaftliche Gefahr.
So auch die Cuscutapflanzen. Sie sind ebenfalls
Vollparasiten und sind auf die Nährstoffe ihrer Wirtspflanzen angewiesen. Sie
gehören der Familie der Windengewächse an, die über 200 Pflanzen umfasst. Mit
ihren Haustorien ( Saugorganen ) wickeln sie sich um den Stängel der
Wirtspflanze und entziehen ihr wichtige Nährstoffe, die für das Wachstum und
die Entwicklung der Wirtspflanze gebraucht werden. Auch bei ihnen findet sich
wieder eine große Toleranz an klimatischen Bedingungen, weshalb sie je nach Art
an verschiedenen Orten zu finden sein kann.
Weiterhin gibt es auch noch die Orobanche, die in den
gemäßigten Zonen zu finden ist. Auch sie bezieht ihre Stoffe aus der Wurzel der
Wirtspflanzen, um keimen zu können. Wenn jedoch keine Anheftung an eine
Wirtspflanze erfolgen konnte, bleibt der Samen im Boden ohne seine
Keimfähigkeit zu verlieren.
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| Cuscuta - Edgeplot on Flickr |
Quellen:
Das moderne Lexikon - Band 14
Abitur Wissen Biologie - Weltbild Kolleg
Grüne Reihe Materialen II Ökologie Schrödel
http://de.wikipedia.org/wiki/Parasitismus
http://www.referate10.com/referate/Biologie/17/Parasitismus---Schmarotzertum-reon.php
http://www.gratislibros.com.ar/textos3/bot97/botanica-parasitismo-plantas-parasitas.html
http://www.pflanzenfreunde.com/krankheiten.htm
http://www.pflanzenfreunde.com/pflanzenschaedlinge.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Heterotrophie
http://de.wikipedia.org/wiki/Pilze#Pilze_als_Pflanzensch.C3.A4dlinge
http://www.pflanzengallen.de/vorwort.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Pflanzengalle
http://de.wikipedia.org/wiki/Cytokinine
http://waste.ideal.es/parasitas.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Striga
http://de.wikipedia.org/wiki/Seide_(Gattung)
http://www.basf.com/group/pressemitteilungen/P-11-299
http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerwurzgew%C3%A4chse
http://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/1019/
http://www.bio.tu-darmstadt.de/media/projektname/botanischergarten/pdfs_1/vortraege/kaldenhoff_parasiten.pdf




Aufgabenstellung:
AntwortenLöschenPflanzliche Parasiten sind ebenso zu beschreiben wie Pflanzen, die Parasiten sind. Bei den pflanzlichen Parasiten können die Pflanzenschädlinge (siehe gesonderter Blog) knapp abgehandelt werden, während Gallen (Pflanzengallen) als eine Form des Parasitismus an Pflanzen ausführlicher darzustellen sind. Unter den parasitischen Pflanzen ist vor allem auf parasitäre Pflanzen in der Landwirtschaft (Striga, Cuscuta u.a.) einzugehen. Die genaue Angabe der Quellen ist erforderlich.
Ich finde deinen Artikel sehr gut gelungen. Besonders gut finde ich, dass du alle Fremdwörter noch einmal seperat erklärt hast. Außerdem finde ich schön das du hinweise auf andere Artikel gegeben hast, so weiß man direkt wo man noch mehr über diese Themen erfahren kann.
AntwortenLöschenIch persönlich hätte mir vielleicht noch etwas mehr Bilder gewünscht. xD
Adriane Knoblauch